Wie wir in nur 5h den größten Berg Südtirols – Ortler, bestiegen

Der Ortler liegt in Südtirol, ist 3.905m hoch, und gar nicht mal so einfach zu besteigen. Wir haben den Hintergrat im Aufstieg gewählt und sind den Normalweg zwischen gewaltigen Séracs und tausende Gletscherspalten abgestiegen.

Am Vortag haben wir noch nicht viel von unserem Ziel sehen können, Nebelschwaden haben uns den Blick verwehrt. Mit dem Lift haben wir uns etwas Zustieg erspart. Ein kurzer Spaziergang zur Hütte sollte uns ja auch ein wenig müde machen, da es am nächsten Morgen um vier Uhr losgehen sollte.

Wecker läutet um 3 Uhr früh

Es waren weit mehr Teams unterwegs als ich erwartet hätte. Zu Beginn ist es uns gelungen drei Seilschaften zu überholen.

Sonnenaufgang am Hintergrat - Ortler in Süditirol mit Blick zur Königsspitze

Sonnenaufgang am Hintergrat – Ortler in Süditirol mit Blick zur Königsspitze

Als wir den Grat erreicht haben, sind genau in jener Sekunde die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Berggipfeln zu uns gedrungen.

Hinweis: Wir haben die Steigeisen immer wieder an und ausgezogen, was Zeit gekostet hat, jedoch optimales Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit bot. Womöglich wären hier Spikes vollkommen ausreichend gewesen.

Es kam alles anders als erwartet

Beim Abseilen in die Eisrinne, kurz vor dem Signalkopf, wurden wir plötzlich von einer Horde Bergsteiger überholt, die alle ungesichert mit ihren Bergführern, die Eisrinne (III) abgeklettert sind. Wir haben die gute Position vor den Schlüsselstellen verloren und waren uns sicher, dass wir jetzt lange warten müssen.

Ortler Hintergrat, Blick in Richtung Gipfel

Ortler Hintergrat, Blick in Richtung Gipfel

Nachdem wir mit wenig Hoffnung zur Schlüsselstelle (IV-) kamen, war wider Erwarten nur noch eine Seilschaft dran die Stelle zu bewältigen. Als wir den Blick in zum Gipfel richteten, konnten wir beobachten, wie sich an der nächsten Schwierigkeit bereits eine Schlange von etwa zwanzig Bergsteigern bildete.

Erste schwierige Stelle (IV-) sehr gut abgesichert

Erste schwierige Stelle (IV-) sehr gut abgesichert

Wir hatten keinen Druck mehr, konnten genüsslich klettern. Die Tour ist ein absolut geniales Abenteuer, abhängig von den Wetterbedingungen fallen die Schwierigkeiten unterschiedlich aus. Wir haben ein Prachtwetter gehabt, zudem hat es die letzten Tagen einige Zentimeter geschneit, was eine optimale Firnauflage in den steilen Blankeis-Passagen bot.

Der König Ortler hat sich von seiner besten Seite gezeigt

Der Hintergrat besteht aus sehr griffigem, oft speckigem Fels, ist eine abwechslungsreiche Genusskletterei mit atemberaubenden Ausblicken und ziemlich ausgesetzten Stellen die für Adrenalin sorgen.

Die zweite schwierige, leicht überhängende Stelle

Die zweite schwierige, leicht überhängende Stelle (IV)

„Womöglich haben wir die besten Bedingungen, die man nur auf dieser Tour haben kann, erlebt.“

Uns war bewusst, dass die Situation auch ganz anders bei Schlechtwetter aussehen und die Länge der Tour dramatisch ausarten kann.

Der Gipfel ist erst die halbe Tour

Der Abstieg erwies sich nervenaufreibend, lange und hat einiges an Konzentration gefordert. Zwei Abseilpassagen, steiles Blankeis, unzählige und riesige Gletscherspalten die teilweise mit Leitern zu überwinden sind, haben uns einiges an Zeit und Kraft gekostet.

Abstieg über das Ortlerplatt mit unzähligen Gletscherspalten

Abstieg über das Ortlerplatt mit unzähligen Gletscherspalten

Hinweis: Wir konnten uns glücklich schätzen nur einen Halbseilstrang mit 30m mitgenommen zu haben. Aufgrund des Gewichtes, eine sehr gute Lösung für diese Tour.

Der Abstieg über zwei gewaltige Gletscherspalten, die Leitern waren sehr behilflich

Abstieg über gewaltige Gletscherspalten mit Hilfe von Leitern

In der Payerhütte auf ca. 3.000m angekommen waren wir sehr froh einen Schlafplatz zu haben und nicht mehr ins Tal absteigen zu müssen. Der Normalweg zum Ortler wird im Beitrag von Bergzeit sehr ausführlich mit Fotos beschrieben.

Der Ortler zeigt sich von seiner schönsten Seite

Der Ortler zeigt sich von seiner schönsten Seite

Auf der Heimreise konnten wir kilometerweit entfernt, am Reschenpass, immer wieder im Rückspiegel unseres Autos den thronenden König mit seinem strahlend-weißen Haupt sehen.

Bart

18. August, 2015

Enthusiastischer Bergsteiger und visionärer Unternehmer der online und offline fein kombiniert.

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