Ein Elektroauto taugt für den Schneeberg nichts!

Die Wetterprognose für das Wochenende sah vielversprechend aus, der Schnee ließ auf sich warten, somit konnte einem Schneeberg-Abenteuer nichts im Wege stehen.

Somit wurde ein BMW i3 bei Sixt für das Wochenende gemietet. Ein Mix aus Aufregung und mulmigem Gefühl überkam mich als ein Sixt-Angestellter mich anrief und fragte ob ich eh eine Steckdose für das Auto habe. Weiters wies er mich darauf hin, dass das Auto nur 100km mit Strom und weitere 100km mit Benzin fahren kann.

BMW i3 von Sixt am Schneeberg

BMW i3 von Sixt am Schneeberg

Als ich einwilligte, habe ich mir schon gedacht, dass es ein interessantes Experiment werden wird. Mit dem Wirten vom Forellenhof in Loosheim beim Schneeberg habe ich mir ausgemacht, das Elektro-Auto an deren Steckdose zu hängen.

Bei Sixt wurde ich wie sonst unüblich zum Auto begleitet, es wurde ein Protokoll angefertigt und mir wurde das Auto aus der Parklücke gefahren. Ich denke, dass es einen versicherungstechnischen Hintergrund gibt, das Teil kostet nämlich ca. 40.000 Euro.

Drinnen

Das Auto ist ein absolut heißer Schlitten, sitzt man drinnen fühlt man sich mindestens 10 Jahre in die Zukunft versetzt. Das Auto ist relativ leicht (1,2 Tonnen). Die Innenausstattung ist aus Recycling-Materialien, Holz und Leder wurden in die Armatur eingearbeitet. Die Bedienung aller Elemente ist äußerst durchdacht und sehr intuitiv.

Draußen

Die Reifen sind riesig (19 Zoll), aber gleichzeitig nur halb so dick wie herkömmliche Reifen. Die beiden hinteren Türen sind kleiner und öffnen sich in die entgegengesetzte Richtung, als die vorderen Türen.

Unterwegs

Die Geräuschlosigkeit beim Fahren ist sehr angenehm, die Beschleunigung ein Wahnsinn, 0 – 60km/h wird in 3,7 Sekunden erreicht. Es macht richtig Spaß den anderen Autos an der Ampel davon zu fahren.

Auf ins Abenteuer

Ich habe mich entschieden mir gleich eine Wien Energie-Tankkarte am Flughafen zu ausstellen zu lassen, mit der Hoffnung das Auto günstig aufladen zu können. Der Wipark-Mitarbeiter hat mich etwas verdutzt angeschaut und mir das Gefühl gegeben, dass er solche Anmeldungen nicht allzu oft macht.

BMW i3 wird in Grafenegg aufgeladen

BMW i3 wird in Grafenegg aufgeladen

Am Abend vor der Schneeberg-Tour habe ich noch einen Abstecher zum Grafenegger Christkindlmarkt gemacht und hatte Glück am absolut voll geparkten Parkplatz noch einen Platz an der E-Tankstelle zu ergattern.

Nicht dass ihr denkt, dass so viele E-Autos dort laden –  meins war das einzige.

Der Rest hat einfach nur den freien Platz genützt. Bei Sixt wurde mir erzählt, dass das Auto 8h zum Volltanken braucht. Nachdem wir uns noch das reizende Weihnachtskonzert angehört haben und uns sonst auch Zeit gelassen haben, waren wir nach etwa 6h wieder beim Auto.

Dann die Enttäuschung: 22% wurden nach 6h aufgeladen, pro Stunde kostet das Tanken ca. EUR 1,- – was für eine Pleite.

Die kalte Temperatur hat dazu geführt, dass die Batterie sehr schlecht lädt und noch schlechter hält. Auf dem Heimweg kam dann eine weitere Enttäuschung, welche nichts mit dem Auto, aber mit der aktuellen Situation zu tun hat. Die E-Tankstelle am Hauptbahnhof ist von mir die nächstgelegenste (10 min Autofahrt, 15 min Öffis)! Das wäre noch halb so tragisch, jedoch muss man für das Parken EUR 3,5 pro Stunde zahlen, wenn man sein Elektroauto aufladen möchte.

Nochmals zum Mitschreiben: EUR 3,5 pro Stunde + ca. EUR 1,- pro Stunde für das Tanken.

Ich gratuliere demjenigen, der sich dieses System ausgedacht hat. Ich bin überzeugt, dass war jemand, der kein Elektroauto fährt und auch nicht besonders viel mit betriebswirtschaftlichen Themen im Berufsleben konfrontiert ist.

Auf zum Schneeberg

Sowohl auf dem Rückweg von Grafenegg als auch auf der Hinfahrt zum Schneeberg haben wir Benzin nachgetankt.

Das hat aber auch nur ein ganz kleines bisschen an unserer Würde gekratzt.

Angeblich soll sich die Akkus während der Fahrt wieder aufladen. Viel habe ich davon nicht gemerkt, außer dass das Auto im Stop and Go-Moduls immer mit Elektromotor startet.

Beim Forellenhof habe ich eine Weihnachtsbeleuchtung ausgesteckt und das Auto angesteckt und da ich ein unverbesserlicher Optimist bin, auch große Hoffnung an ein Vollladen des Autos gehabt.

Nandlgrat hoch – Nandlweg runter

Es war eine grandiose Tour, ganz Wien und Umgebung komplett in einer dicken Nebelsuppe versunken und im Gebirge strahlender Sonnenschein.

Mit Strom zum Schneeberg und zu Fuß hoch

Mit Strom zum Schneeberg und zu Fuß hoch

Ab der heiklen und vereisten, aber gut abgesicherten Querung auf dem Nandlgrat war auch schon der erste Schnee zu sehen. Als die ersten richtigen Schneefelder begannen, kam auch die Sonne hinter dem Berg zum Vorschein.

Kein Wind, T-Shirt-Wetter im Dezember auf dem Schneeberg in 2.000m Höhe.

Den Nandlgrat runter fand ich etwas anstrengend und gefährlich somit entschieden wir uns die leichtere, längere (1h länger), jedoch dafür sehr idyllische Variante über den Nandlweg (parallel zum Wurzengraben) abzusteigen.

Der Rückweg

Auf dem Rückweg war ich bereits gespannt, wie viel Strom das Auto geladen hatte. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass nach 8h nur 25% aufgeladen waren. Ich habe dem Wirten EUR 5,- in die Hand gedrückt und mich bedankt.

Das Fazit

Die Situation ist ein absoluter Schaß, das Auto ist halbwegs gut für die Stadt, leider ist es doch etwas zu groß, um kleine Parklücken zu benutzen. Die E-Tankstellen sind nicht da, wo man sie braucht. Selbst dann ist das System lächerlich (WiPark). Bei Kälte ist das Auto nicht wirklich zu gebrauchen, Tesla hat ein Heizsystem für die Akkus entwickelt und die Reichweite ist 400km, aufladen kann man die Autos kostenlos.

Fragt sich für wen der BMW i3 gedacht ist? BMW wird die Autos nicht los und vermietet sie jetzt über Sixt, das Ganze ist sehr löblich bis auf das, das Sixt selber nicht daran glaubt und auch keine Schnelllade-Adapter anbietet.

Um das Auto halbwegs gut nutzen zu können, sollte man am Besten ein Haus mit Solaranlage und warmer Garage, Schnellade-Adapter und Station besitzen und mit dem Auto nur in der Stadt herum fahren.

Bart

8. Januar, 2016

Enthusiastischer Bergsteiger und visionärer Unternehmer der online und offline fein kombiniert.

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